Tadjikistan

Also das ist ja mal eine angenehme Grenze hier. Kein Gepäckstress und so. Einfach nur raus und wieder rein. Dushanbe, die Hauptstadt Tadjikistans, begrüsst uns mir einer gemächlichen Ruhe. Nicht nur wegen dem angenehmen Verkehr und den vielen Bäumen in der Stadt. Sondern vor allem, weil der «stressige» Teil der Reise nun vorbei ist. Wir haben ein 45 Tage Visum und müssen erst Mitte Juni in China sein. Genügend Zeit also, um die Tagesetappen zu halbieren und die Erholungstage zu verdoppeln. Per Zufall finden wir…

ein kleines Homestay etwas ausserhalb der Stadt. Wir haben das ganze Haus für uns alleine. Mit einem kleinen Innenhof, Internet, fliessend Wasser und Küche. Dazu gesellen sich eine Katze, zwei ein Karnickel und zwei Schildkröten. Lisi und ich bekommen endlich einen Ölwechsel und intensive Luftfilter und Kettenpflege, mmmmh. Endlich kümmert sich hier mal jemand um uns. Das neue Öl fühlt sich super an, so samtig weich. 

Lisi gerät fast aus den Fugen als auch noch der Kurt (und natürlich Ente) hier auftauchen. Unsere beiden Möchtegernabenteurer sind wieder im Lernmodus und der Fabian kocht mal wieder für die Menschen. Als dann noch eine KTM 990 Adventure mit Brian und eine Honda Transalp mit Cathrin zu uns stossen, wird’s sichtig gemütlich hier im Innenhof. Da schmeiss ich doch gleich eine Töff Party heute Abend. Liegt ja noch genügend gutes Öl hier rum.

Sie beschliessen zu den sieben Seen zu fahren, 200km nördlich. Lisi und ich haben noch einen kleinen Kater von der Ölparty gestern, aber der wird dann schon weggehen. Wir fahren durch steile Schluchten, vorbei an roten Bergen, über den Anzob Pass und erfahren danach unsere erste längere richtige Offroad Passage. Es ist ein schmaler Wanderweg mit losem Schotter, etwas Sand und ein paar Bachdurchfahrten der über unzählige Serpentinen hinauf an den dritten der sieben Seen führt wo sie Camp aufschlagen. Mein Reiter behauptet, die Strecke hierhin war einer der besten Töff Strecken seit Messbeginn. Ein Idyll hier. Die vorbeifahrenden Locals bewundern uns (also vor allem mich, ich bin ja schliesslich der schönste hier) und lassen es uns an nichts fehlen. Die Menschen gehen wandern, machen Spätzle und trinken Bier. Drei Tage bleiben wir hier am See stehen bevor es den Berg wieder hinunter nach Dushanbe geht. Zwischendurch geht’s mal noch ohne Gepäck hinunter ins Tal um Wasser und Fressalien zu kaufen. Nach der zackigen Fahrt zurück zum Camp, will er nun plötzlich eine Sport Enduro kaufen, wenn er wieder zuhause ist. Ich bin ihm wohl doch etwas zu fett für das Gelände hier.

Der Nachhauseweg wird zum Schlammfest, tatsächlich regnet es. Es ist erst der zweite «Regentag» seit Abfahrt, eigentlich fast schon gruselig unser Wetterglück. Zurück im Homestay hier in Dushanbe werden die letzten Vorbereitungen für den Pamir getroffen. Wir beschliessen, alle zusammen zu fahren und nehmen die Südroute bis nach Kulyab wo wir zu einem pittoresken Sonnenuntergang unsere Zelte aufschlagen. Zwischendurch halten wir beim Nurek Staudamm, angeblich der höchste Schüttwall der Welt. Eine subtile Wasserfontäne wird gerade über den Überlauf abgelassen, welche uns eine angenehme Abkühlung beschert. Nach Kulyab eröffnet sich uns heute ein spektakuläres, schmales und steiles Tal mit perfekten Strassen. Die Kinder am anderen Flussufer winken uns zu. Es ist nur eben dieser Panj River, der uns die nächsten 600km von Afghanistan trennen wird. Wir übernachten in Kalaikhum bei einer Familie zuhause und biegen danach bei Rushan ins Bartang Valley ein. Ein mächtiger Fluss versperrt den Weg, ist den sechs aber egal. Die Flussdurchfahrten bis anhin wurden so eben ein wenig lächerlich. Denn wenn der untere Teil der Räder nicht mehr zu sehen ist, der Motor dampft und die Stiefel von oben mit Wasser gefüllt sind, erst dann kann man von einer Flussdurchfahrt sprechen, so lernen sie. Auch der grobe, lose Schotter der darauf folgt meistern die beiden erstaunlich geschickt. Das liegt aber weniger an ihrem Können als an unserer Fähigkeit mit solchem Gelände umzugehen. Ich meine, schliesslich sind wir Africa Twins, die besten je gebauten Reise Enduros. Keine Diskussionsspielraum hier.

Den wilden Campingplatz den wir da im Bartang Valley finden ist mit einer Oase vergleichbar. Wenn der Shire innerhalb Mordors läge, dann hätte J.J.R Tolkien seine Inspiration von diesem einen Platz hier. Die sechs bleiben ein paar Tage campen bevor es zurück nach Rushan geht. Natürlich versenkt mich Idiot #1 bei der Rückfahrt im Fluss. Es braucht drei Menschen um mich wieder zu befreien. Schmelzwasser halt. Dabei hätte es einen Weg aussenrum gegeben. Sie wollten Abenteuer, jetzt haben sie’s. Weiter entlang der Afghanischen Grenze begegnen wir fantastischen Menschen und verrückten Radfahrern. Es scheint ein lockeres Abrollen bis nach Khorog zu werden. Aber dann passiert es.

Direkt vor uns löst sich ein steiler Hang und überschüttet die Strasse mit Stein und Geröll. Die vorausfahrende Ente hätte es fast erwischt. Grad nochmal Glück gehabt. Die Tadjiken nehmen es ziemlich locker, keiner scheint wirklich erstaunt, eher genervt. Schon wieder…. und räumen halt die Steine die sie können von Hand weg. Die Idioten #1 und #2 wollen helfen, stehen aber mehrheitlich dumm im Weg rum, das können sie mittlerweile richtig gut. Irgendwann traut sich ein Opel Astra durch. Wir haben es nicht für möglich gehalten aber der Astra schafft es mit biegen und brechen über das Geröllfeld. Also probieren wir das auch und voilà, erste Steinlawine hinter uns. Wir finden die Pamir Lodge in Khorog auf 2100m und legen da noch einen längerer Halt ein, bevor es dann endlich in die Höhe geht. Irgendwas mit meinem Lenkkopflager stimmt nicht, hoffentlich merkt das bald mal einer. Morgen ist fertig Kindergeburtstag, morgen gilts ernst. Pamir, wir sind bereit! (glaub)

Emil out.

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